Heute bin ich 10,28 km gelaufen, habe damit 14.696 Schritte absolviert, fühle mich mit vier Schlafzyklen ausgeschlafen und habe zum Frühstück ein leckeres Müsli mit 375 Kilokalorien gegessen. Was sagt das über mich aus? Nun, einzeln betrachtet sind die Daten bereits recht interessant – vielleicht sollte ich jedoch meine Laufstrecke dem Schlaf anpassen oder etwas anderes essen, um mich besser auf meine Joggingrunde vorzubereiten.

Auf Grund der Tatsache, dass ich aus meinen Rohdaten hilfreiche Statistiken für mich selbst generieren möchte, sehe ich, dass ich ein Teil der Quantified-Self-Gruppe bin. Einer Gruppe, die ihre analogen Daten mit Hilfe vieler Tools digital sammelt, um diese zur Selbstverbesserung auszuwerten.

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Beispielhafte Übersicht zur Nutzung elektronischer Geräte zur Überwachung des Gesundheitszustandes (Quelle: Statista)

Quantified Self als Instrument zur Selbsterkenntnis und -optimierung

Inzwischen sind viele Bereiche meines Lebens mit Hilfe verschiedener Soft- und Hardware digital abbildbar und damit auch auswertbar. Als jemand, der mehr über sich selbst erfahren möchte und Gadgets wie Fitnesstracker oder andere Produktivitätstools regelmäßig nutzt, gehöre ich in Deutschland zu einer steigenden Anzahl an Personen, die mehr über sich selbst und ihr Alltagsleben wissen möchte. Ich bin damit ein Anhänger der Bewegung „Quantified Self“, deren Ziel hauptsächlich der Erkenntnisgewinn bezüglich persönlicher, gesundheitlicher, sportlicher oder gewohnheitsbezogener Fragestellungen ist. Dabei können verschiedene Apps, digitale Dienste, Wearables, wie Smartwatches, Tests oder Lifelogging, also das Aufzeichnen des Alltages in Form von z.B. digitalen Tagebüchern, interessante Werte und Informationen über mich erfassen und auswerten. Quantified Self wurde 2007 von Gary Wolf und Kevin Kelly in der San Francisco Bay Area gegründet und 2012 in Deutschland übernommen. Mittlerweile finden in deutschen Großstädten nach dem amerikanischen Vorbild regelmäßige Meetups dieser Gemeinschaft statt.

Noch nie war es uns möglich, so viel über uns selbst in so kurzer Zeit einfach aufzuzeichnen, zu speichern und auszuwerten. Diese Daten, Informationen und unser Verhalten online oder mobil, geben uns viel Wissen an die Hand, um unser Leben zu optimieren. Mit diesem Wissen entsteht ein individueller Raum für uns, in dem wir uns noch besser verstehen und erleben können.

Datensicherheit und persönliche Auswertungen als Widerspruch?

Gleichzeitig möchte ich, dass diese Daten über mich und mein Verhalten – welches in vielen Teilen meine höchstpersönliche Privatsphäre widerspiegelt – absolut sicher vor Dritten sind und ich selbst bestimmen kann, an wen sie gehen und wie sie verwendet werden dürfen. Mit dem Schritt der vermehrten Sensor-Umgebung in unserem Leben und der höheren Digitalisierung müssen wir zwangsläufig den wichtigen Schritt machen, den Anbietern dieser Technologien zu vertrauen und unsere Daten mit ihnen zu teilen. Bin ich aber bereit am Wissen über mich auch andere daran grenzenlos teilhaben zu lassen? Denn das Tracking bietet nicht nur mir persönlich die Antwort auf verschiedene Fragen, sondern auch den Anbietern dieser Gadgets und Sensoren, die diese Daten kontinuierlich mitlesen und für ihre Zwecke verwerten. Muss ich aufgrund der Datensammelleidenschaft der Anbieter auf meinen digitalen Fortschritt verzichten?

Unser Leben wird immer digitaler, wir wickeln Einkäufe online ab und speichern unsere Fotos und Dokumente in der Cloud; wir werten unser Leben auf unserem Smartphone oder mit Hilfe von Wearables aus. Warum? Weil es in vielen Situationen komfortabler und einfacher ist, uns erlaubt mehr über uns zu erfahren, was wir entweder vergessen oder aufgrund der enormen Menge an Daten nicht verstehen würden.

Statistik_Datenvolumen

Überblick zur Prognose der jährlich generierten digitalen Datenmenge weltweit von 2005 bis 2020 in Exabyte (Quelle: Statista)

Copyright für meine Daten

Gerade weil es meine persönlichen und durch mich erzeugten Daten sind, brauchen diese Informationen einen sicheren Ort und Art der Speicherung sowie und ein eigenes „Copyright“, ohne dass diese Daten nicht ohne meine Zustimmung verwendet werden können.

Create it, use it, own it.

Dieser Slogan, der für mich die notwendige Selbstbestimmung beinhaltet, muss Wirklichkeit werden. Mich persönlich faszinieren Daten über mich, mein Umfeld und all das, was in meinem Leben eine Rolle spielt. Gleichzeitig möchte ich aber auch die Hoheit und die Souveränität über diese Daten behalten und ihre Verwendung kontrollieren. Das beinhaltet sowohl meine aufgezeichneten Informationen über Tracker und Sensoren als auch alle digitalen Nutzungs- und Verhaltensdaten, die über verschiedene technische Geräte gesammelt werden, auf die man im heutigen Alltag nicht mehr verzichten möchte.

Digified Self als natürliche Weiterentwicklung

Mit Digified Self meine ich somit die Weiterentwicklung von Quantified Self und die Zukunft in Bezug auf den Umgang mit meinen persönlichen Daten. Dies bedeutet für mich die Optimierung meines gesamten digitalen Lebens mit Hilfe verschiedenster Informationen sowie deren Auswertungsmöglichkeiten gepaart mit der Kontrolle und Steuerung meiner persönlichen Daten. Ich möchte entscheiden, wer diese persönlichen Daten – auch im anonymisierten Fall – verwenden und verwerten darf, ohne dabei bereits mit dem Kauf dieser Gadgets meine Datensouveränität an die Anbieter verloren zu haben.

Nur mit einem entscheidenden Umdenken zum Sammeln und Speichern von persönlichen Daten durch Unternehmen sowie einer besseren Kontrolle und Steuerung durch den Anwender lassen sich der digitaler Fortschritt und die Privatsphäre des Einzelnen langfristig vereinen.

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