Auf nahezu jeder Webseite erlebe ich derzeit „Mein persönliches Angebot“ ̶ mein Videostreamingdienst zeigt mir „Meine Watchlist“, meine Zeitung fasst „My News“ für mich zusammen und mein Online-Einkauf wird zu einem Erlebnis „nur für mich“. Dabei frage ich mich jedoch des Öfteren, warum die vorgeschlagenen Artikel nicht auf meine Interessen passen oder wer eigentlich Laufschuhe zusammen mit einem Smoking kauft. Versteht einer der größten Online-Händler unter Emanzipation etwa tatsächlich, den Akkubohrer direkt neben dem Ladyshaver anzubieten? Abweichende Kaufempfehlungen und langweilige Posts Heutzutage dürfte nahezu allseits bekannt sein, dass bei jedem Klick im Internet Daten über mich gesammelt werden und ich somit unentwegt digital getracked werde (siehe Blogbeitrag Kuhhandel). Somit scheint es eigentlich nur wenige Gründe dafür zu geben, warum die Ergebnisse der „persönlichen Angebote“ so sehr von meinen tatsächlichen Interessen abweichen müssen. Die Grundlage, mir ein echtes, individualisiertes Kauferlebnis zu schaffen, müsste doch eigentlich mittlerweile vorhanden sein. Trotzdem – wenn es nach der Meinung der Werbetreibenden geht – wollen diejenigen, die sich für die politische Lage im Nahen Osten interessieren, automatisch auch (Urlaubs-)Reisen an den gleichnamigen Ort unternehmen. Sogar auf meinen sozialen Netzwerkprofilen, denen ich heutzutage unbedarft einen Großteil meines Lebens anvertraue, stimmt die „Sortierung“ der Posts und Ereignisse nach […]

“If you are not paying for it, you’re not the customer; you’re the product being sold“ (Andrew Lewis) Seit ich dieses Zitat das erste Mal gelesen habe, verfolgt mich die Frage, was es mit dem Zitat auf sich hat und insbesondere welche Rolle diese Aussage in Bezug auf mein heutiges digitales Leben spielt. Sobald ich das Internet nutze, wird mir ständig suggeriert, etwas geschenkt zu bekommen oder von besonderen Angeboten profitieren zu können. In Wahrheit bekomme ich wahrscheinlich außer an meinen Geburtstagen oder den Zwei-für-Einen-Burger-Gutscheinen nichts geschenkt. Dennoch erlebe ich jeden Tag, dass die unzähligen Dienste, die ich regelmäßig nutze, nichts kosten – das Versenden von E-Mails, das Lesen meines Online-Lieblingsmagazins oder der Kontakt zu alten Schulfreunden durch soziale Netzwerke. Informationsinteresse an Internet und Online-Diensten in Deutschland (Quelle: Statista) Das böse Wort „Online-Werbung“ Wenn man sich auch nur einen Augenblick mit dem Geschäftsmodell der meisten Online-Dienste auseinandersetzt, versteht man schnell: Nichts ist umsonst und man bekommt nichts geschenkt! Denn tatsächlich bezahle ich diese unzähligen Angebote entweder damit, mehr zu konsumieren, als ich eigentlich wollte oder mit sämtlichen Informationen darüber, was ich kaufe und wer ich bin – also meinen persönlichen Daten. Ich habe dieses Internet kennengelernt, beherrscht von ratternden 56k […]